DIE WAHRHEIT ÜBER DIE LIEBE


Tatsachen, Aberglauben, Belustigung & Mythos


von Philip Ardagh




Cupido


Cupido ist der römische Gott der Liebe, Cupido heißt Liebe oder Verlangen im Latein, der Sprache der Römer. Oft wird er mit dem alten griechischen Gott Eros identifiziert. (Die Römer stahlen oft griechische Götter, benannten sie um und beteten sie an.) Anders als Eros, der eher erwachsen aussieht, ist Cupido ein schöner (und oft etwas pummeliger) geflügelter Junge, mit verbundenen Augen, der einen Bogen und einen Köcher voller Pfeile auf dem Rücken trägt. Der Mythos besagt, dass wenn ein Pfeil Cupidos dich trifft, du dich umgehend verliebst. Warum aber die verbundenen Augen? Um zu illustrieren, dass Liebe blind ist, darum. Du kannst nicht wählen in wen du dich verliebst. Es passiert einfach, wie ein Blitz aus dem Blauen... oder ein Pfeil von Cupidos Bogen.

Manche sagen, Cupido habe zwei Sorten Pfeile: Gold und Blei. Wirst du von einem seiner goldenen Pfeile getroffen, ist deine Liebe echt und ehrlich. Trifft dich einer aus Blei, ist deine sogenannte Liebe eher Lust und Laster.


Ich beschwöre dich bei Cupidos stärkstem Bogen:

Bei seinem bestem Pfeil mit der goldenen Spitze


Aus: Ein Midsommernachtstraum


Das Herz


Warum, bei allen inneren Organen, lieben wir traditionell mit dem Herzen? Vielleicht weil das Herz häufig schneller schlägt, wenn das Subjekt unserer Liebe anwesend ist, oder unsere Brust durch-hämmert. Es ist einfach zu erkennen wie, mit der Zeit, dies mit dem Gefühl der Liebe assoziiert wurde.

Offensichtlich haben verschieden Kulturen verschieden Glauben, aber das Herz als Abbildung der Liebe reicht zurück zu den alten Ägyptern und wurde teilweise populär auf Viktorianischen Valentinstagskarten.

Der Pfeil, den man oftmals durch das Herz gezeichnet sieht – was hier zwei Dinge gleichzeitig bedeutet, nämlich die Unmittelbarkeit mit der die Liebe dich angreifen kann und ebenfalls den Schmerz, den sie verursacht – dürfte von Cupidos Hand gefeuert sein.


Zwei Seelen aber ein einziger Gedanke

Zwei Herzen schlagen wie eins.


Aus: Der Sohn der Wildnis


Liebe und Heirat


In vielen Kulturen und Fällen resultiert die Liebe in Heirat. Ein anderes Wort für Heirat ist im Englischen Wedlock (etwa „Eheschloss“). Und natürlich gibt es unzählige Witze die mit dem – locked into (eingeschlossen in) spielen. Tatsächlich stammt das Wort von zwei altenglischen Begriffen, nämlich wed (Versprechen) und lac

(Tat), wedlock meint also ein Versprechen abzugeben und Verantwortung und (hoffentlich) Liebe zu zeigen.


Den Knoten binden


Sich zu verheiraten wird gerne als Knoten binden bezeichnet, was sich auf die bindende Natur des Ehevertrages bezieht. In einigen Traditionen gibt es ein buchstäbliches Knotenbinden während der Ehe-Zeremonie. Bei den Hindus zum Beispiel bindet der Bräutigam ein Band um den Nacken der Braut. Traditionell kann der Brautvater dem Verknoten zuvorkommen und sich damit weigern seine Tochter zu verheiraten, so dass die Hochzeit damit abgebrochen wird. Ist der Knoten jedoch einmal gebunden, kann niemand mehr die Hochzeit verhindern.


Den Namen des Mannes annehmen


Meistens – aber sicher nicht immer – wenn ein Paar sich ehelicht gibt die Frau ihren Namen auf und übernimmt den Nachnamen ihres Gatten

Wenn also, zum Beispiel, Oktavia Schmidt einen Julius Jonas heiratet, wird sie zu Oktavia Jonas. Diese Tradition beruht auf der Variation einer römischen: durch die Heirat wird die Braut als „zu“ ihrem Gatten gehörend beschrieben ... mit anderen Worten, ihm gehörend. Oktavia wäre dann „Oktavia des Julius“. Das würde heute wahrscheinlich nicht mehr so gut funktionieren.



(Etwas altes) n.ü.



Die Hochzeitstorte


Es wird gesagt es bringe Glück die oberste Stufe einer Hochzeitstorte für die Taufe des Erstgeborenen der frisch Verheirateten aufzubewahren.

Interessanter für die unverheirateten Gäste ist es jedenfalls, ein Stück der Hochzeitstorte nachts unter ihr Kissen zu legen. Man sagt, man träume dann vom zukünftigen Ehe-Partner (obwohl die Sache meistens mit nicht mehr als einem plattgedrückten Stück Torte endet). Als Alternative zu diesem Ritual kann man sich auch den Ring der Braut borgen, aber das kommt meist nicht so gut an!


Den Brautstrauß fangen


Neben dem Verbot für den Gatten, die Braut vor der Ehezeremonie am Hochzeitstag zu sehen, mündet einer der bekanntesten Aberglauben von denen, die sich um das Heiraten ranken, meist in Schubsen und Drängeln und Freudenschreien!

Es geht um die Sache mit der Frau, dass die, die den Strauß der Braut fängt – wenn sie sich umdreht und ihn über die Schulter wirft – die Nächste mit dem Heiraten sein wird. Dies war ursprünglich eine amerikanische Angewohnheit, die wohl auf eine wesentlich frühere Gepflogenheit des achtzehnten Jahrhunderts zurückgeht, Strümpfe auf Braut und Bräutigam im Bett zu werfen!


Die Hochzeit ähnelt einem Paar Scheren,

so verbunden, dass sie nicht getrennt werden können, meist

bewegen sie sich in entgegengesetzte Richtungen, aber immer

strafen sie den, der zwischen sie gerät.


Notiert aus Lady S. Holland’s Memoir (1855)


Der Ehering


Der Ehering ist meist aus Gold gefertigt und wird am Ringfinger getragen – dem neben dem kleinen Finger – der linken Hand.

Warum Gold? Weil es schon immer als reines, schönes und wertvolles Metall geschätzt und somit als ideal für ein Symbol einer derart wichtigen Angelegenheit wie einer Heirat betrachtet wurde.

Warum der bestimmte Finger? Weil die alten Ägypter glaubten, eine bestimmte Blutader oder ein Nerv verlaufe vom Ringfinger der linken Hand zum Herzen, das der Sitz der Liebe innerhalb des Körpers ist.


Die Heilige Dreieinigkeit


Bei der Römisch-katholischen Hochzeitszeremonie stehen der Daumen und die beiden nächsten Finger für die Heiliger Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist und jeder dieser Finger wird vom Ehering berührt bevor das Amen gesprochen wird und das Band der Ehe über den Ringfinger rutscht.


Hände wechseln


Eheringe sind in Großbritannien nicht immer an der linken Hand getragen worden. Tatsächlich war dies durchaus kein Usus bis zum 17 Jahrhundert, als die Protestanten ihn nicht mehr an der rechten Hand trugen, wobei die Katholiken noch wesentlich später wechselten. In einigen Ländern werden die Ringe immer noch an der rechten Hand getragen.


Getragen mit Liebe

Heute gibt es kaum noch wirklich alte Ringe, weil die meisten Viktorianischen und vor-V. Eheringe aus 24-karätigem Gold gemacht wurden. Die Reinheit des Goldes wird in Einheiten gemessen, die man Karat nennt, 24-Karat ist das reinste Gold das es gibt. Reines Gold ist ein sehr weiches Metall, es nützt sich als Ring auf einem Finger getragen mit den Jahren ab. 18- oder 9-Karat-Ringe – aus Goldlegierungen mit härterem Metall – mögen nicht so wertvoll wie reine Goldringe sein, aber sie sind beständiger und können vererbt werden.


Mieze sagte zur Eule, „du elegantes Huhn,

wie süß kannst du singen!

O lass uns heiraten; und nicht länger so tun;

Doch woher bekommen wir den Ring?“


Aus „The Owl and the Pussy-Cat“


Edward Lear (1812 – 1888)


Ringe an Ihren Fingern


Genauso wie Ehe- und, natürlich, Verlobungsringe, gibt es andere Ringe die man mit der Liebe verbindet. Vom Ring sagt man er sei eine endlose Spirale, die ewige Liebe symbolisiert... die eben, zweckmäßig genug, auf den Finger passt! Die bekanntesten dieser Sorte sind der Claddagh Ring1 (siehe auch nächstes Kapitel), der Kardan-Ring, der Wahre-Liebesknoten-Ring und der Ring der Ewigkeit.


Von der Emerald-Insel


Der Claddagh Ring wird aus Gold gemacht und kommt gewöhnlich ohne Edelsteine aus. Er wird in der Form zweier Hände gegossen, die ein gekröntes Herz halten und kam aus einem Örtchen in Irland, das Claddagh heißt. Die Krone steht für Loyalität, die Hände für Freundschaft und das Herz für die Liebe.

Wird der Ring mit nach unten zeigendem Herz in Richtung der Handfläche getragen, heißt das, dass der Träger einen Schatz hat und vergeben ist. Zeigt das Herz nach oben in Richtung Fingerspitze, ist er oder sie noch zu haben. Man beachte das er oder sie: beide, Mann und Frau tragen Claddagh Ringe.


Aus eins mach zwei


Der Freundschaftsring wird im Englischen als gimbal ring, aber auch gimmal oder jimmal ring bezeichnet. Im Grunde sind das viele Namen für dieselbe Sache, der Name stammt vom lateinischen geminus, was nichts mit Edelsteinen (gems) zu tun hat, sondern mit Zwillingen (twins).

Diese Metallringe können von einer Person, oder geteilt von zwei Personen getragen werden, ideal für Liebespärchen. Die zwei Hälften von Freundschaftsringen sind gewöhnlich gewölbt, so dass sie ineinander-greifen, fest zusammenpassen, mehr wie ein Puzzle.

1 Claddagh ist ein kleines Fischerdorf im Westen Irlands (heute eine Vorstadt von Galway) und dort lebte etwa von 1660 bis 1737 Richard Joyce. Kurz vor seiner geplanten Hochzeit wurde er, als Fischer oder Handelsreisender (hierbei legt sich die Legende nicht fest) von algerischen Piraten entführt und an einen maurischen Goldschmied als Sklave verkauft. Er erlernte schnell das Handwerk seines Herrn und führte es zur Perfektion. Sein Meisterstück dabei war ein Ring, den er in Sehnsucht nach seiner fernen Verlobten schuf und der später als Claddagh Ring bezeichnet werden sollte. Das als Ring verarbeitete Symbol zeigt zwei Hände, die ein Herz halten und darüber schwebt eine Krone.
Richard hatte Glück, dass William III im Jahr 1689, kurz nach seiner Thronbesteigung eine Vereinbarung mit den Mauren schließen konnte, welche allen dort gefangengehaltenen Briten die Rückkehr ermöglichte. Obwohl sein früherer Herr ihm seine Tochter samt Geschäfts-Beteiligung für sein Bleiben anbot, kehrte Richard in seine Heimat Claddagh zurück und fand dort tatsächlich seine Braut unverheiratet und wartend vor. Auch wenn - wie bei allen Legenden - erhebliche Zweifel an deren Richtigkeit bestehen, steht doch eines fest:
Die ältesten vorhandenen Claddagh-Ringe tragen die Signierung R.I. und ein Juwelier namens Richard Ioyes (gälisch für Joyce) gilt als nachgewiesen. Die Signatur zeigt überdies noch einen Anker, das Symbol für Hoffnung. Trägt man den Ring an der rechten Hand, Herz nach außen weisend, heißt, Du bist noch zu haben. An der rechten Hand, Herzspitze zu Dir zeigend: Du bist vergeben. Links an der Hand: Du bist verheiratet.