Prolog




An einem Junimorgen im Jahr 1842, in der zentral-asiatischen Stadt Buchara, konnte man zwei verwahrloste Gestalten im Staub auf dem großen Platz vor dem Palast des Emirs knien sehen. Ihre Arme waren fest auf den Rücken gebunden und sie befanden sich in einem beklagenswerten Zustand. Sie waren dreckig und halb verhungert, ihre Körper bedeckt mit Narben, ihre Haare, Bärte und Kleidung wimmelten vor Läusen. In der Nähe befanden sich zwei frisch ausgehobene Gräber. Stumm betrachtete sie eine kleine Menge Bucharer. Gewöhnlich erregten Hinrichtungen in dieser einsamen und immer noch mittelalterlichen Karawanen-Stadt kaum Aufmerksamkeit, da sie unter der brutalen und despotischen Herrschaft des Emirs einfach viel zu häufig vorkamen. Doch diese war anders. Die zwei Männer, die in der strahlenden Mittagssonne knieten, waren britische Offiziere.

Monatelang hatte der Emir sie in ein dunkles, stinkendes Loch bei der Zitadelle aus Lehm gesperrt, mit Ratten und Ungeziefer als ihren einzigen Gefährten. Die beiden Männer – Colonel Charles Stoddart und Captain Arthur Conolly – waren dabei, gemeinsam dem Tod gegenüberzutreten, 4.000 Meilen fern der Heimat, an einem Fleck, wo heute ausländische Touristen aus ihren russischen Bussen steigen, nicht wissend was einst dort geschah. Stoddart und Conolly bezahlten den Preis dafür, in einem höchst gefährlichen Spiel mitgewirkt zu haben – dem Großen Spiel, wie es jene kennenlernten, die es spielten und ihren Hals riskierten. Ironischerweise war es Conolly selbst, der einst die Phrase prägte, obwohl es Kipling war, des sie unsterblich machen sollte, in seinem Roman Kim.

Der erste der beiden Männer, der an diesem Junimorgen sterben sollte, während sein Freund zuschaute, war Stoddart. Er war von der East India Company nach Buchara geschickt worden, um zu versuchen mit dem Emir eine Allianz gegen die Russen zu schmieden, deren Vorstoß nach Zentralasien hinein Grund zur Sorge über ihre zukünftigen Absichten erweckte. Doch alles war schrecklich schiefgelaufen. Als Conolly, der sich freiwillig gemeldet hatte, um die Befreiung seines Offizierskollegen zu erreichen, Buchara erreichte, war er ebenfalls im düsteren Kerker des Emirs gelandet. Augenblicke nach Stoddarts Enthauptung wurde auch er ins Jenseits befördert, und heute liegen die Überreste der beiden Männer, zusammen mit den vielen anderen Opfern des Emirs, auf einem grausigen und lang vergessenen Friedhof, irgendwo in der Nähe des Platzes.

Stoddart und Conolly waren nur zwei der vielen Offiziere und Entdecker, sowohl russische wie britische, die dem größten Teil eines Jahrhunderts am Großen Spiel teilnahmen, und deren Abenteuer und Missgeschicke dabei die Erzählung dieses Buches bilden. Das riesige Schachbrett, auf dem sich dieser umnebelte Kampf um die politische Vormachtstellung abspielte, reicht vom schneebedeckten Kaukasus im Westen, über die großen Wüsten und Gebirgszüge Zentralasiens, bis zum chinesischen Turkestan und Tibet im Osten. Die finale Belohnung, das fürchtete man zumindest in London und Kalkutta, und erhofften sich inbrünstig talentierte russische Offiziere, die in Asien dienten, war Britisch-Indien.

Alles begann in den frühen Jahren des neunzehnten Jahrhunderts, als russische Truppen anfingen sich ihren Weg südlich durch den Kaukasus ins nördliche Persien zu erkämpfen, der damals von wilden muslimischen und christlichen Stämmen bewohnt wurde. Zunächst, wie bei dem großen russischen Marsch Richtung Sibirien zwei Jahrhunderte zuvor, schien dies keine Bedrohung britischer Interessen zu sein. Katharina die Große, das stimmte, hatte mit dem Gedanken gespielt auf Indien zu marschieren, während ihr Sohn Paul 1801 schon so weit gekommen war, eine Invasionsmacht in diese Richtung zu schicken, nur um kurz nach seinem Tod hastig zurückbeordert zu werden. Aber irgendwie nahm zu dieser Zeit niemand die Russen wirklich ernst, und ihre nächsten Grenzposten waren zu weit weg um irgendeine wirkliche Bedrohung für das Eigentum der East India Company darzustellen.

Dann, 1807, erreichten Nachrichten London, die beträchtlichen Alarm bei beiden, der britischen Regierung und den Direktoren, auslösten. Napoleon Bonaparte, ermutigt durch seine Reihe brillanter Siege in Europa, hatte Pauls Nachfolger, Zar Alexander I, vorgeschlagen gemeinsam in Indien einzufallen und es der britischen Herrschaft zu entreißen. Letzten Endes, belehrte er Alexander, könnten sie mit ihren vereinten Armeen die ganze Welt erobern und sie zwischen sich aufteilen. Es war in London und Kalkutta kein Geheimnis, dass Napoleon schon lange ein Auge auf Indien geworfen hatte. Es dürstete ihn auch danach, die beschämenden Niederlagen, die die Briten seinen Landsleuten während ihrem früheren Kampf um seinen Besitz zugefügt hatten, zu rächen.

Sein atemberaubender Plan war es, mit 50.000 französischen Soldaten durch Persien und Afghanistan zu marschieren, und sich dort, für den abschließenden Vorstoß über den Indus nach Indien hinein, Alexanders Kosaken anzuschließen. Aber dies war nicht Europa, mit seinen bereit stehendenen Versorgungsstrukturen, Straßen, Brücken und gemäßigtem Klima, und Napoleon hatte wenig Ahnung von den schrecklichen Belastungen und Hindernissen, die eine Armee auf diesem Weg überwinden müsste. Sein Unwissen über das dazwischen liegende Terrain, mit seinen wasserlosen Wüsten und Gebirgsbarrieren, wurde nur von den Briten selbst übertroffen. Bis dahin, ursprünglich von See aus eingetroffen, hatten Letztere den strategischen Landwegen nach Indien kaum Beachtung geschenkt, sie waren mehr damit beschäftigt den Seeweg offenzuhalten. Über Nacht löste sich diese Selbstgefälligkeit in Luft auf. Während die Russen allein kaum eine Bedrohung darstellten, waren die vereinigten Armeen Napoleons und Alexanders ein anderes Thema, vor allem wenn sie von einem Soldaten mit der Genialität des Ersteren angeführt wurde. Hastig wurden Befehle ausgegeben, die Strecken, über die ein Eindringling Indien erreichen könnte sorgfältig auszukundschaften und zu kartieren, so dass die Verteidigungschefs der Company entscheiden könnten, wo er am besten aufzuhalten und zu vernichten sei. Gleichzeitig wurden diplomatische Missionen zum Schah von Persien und dem Emir von Afghanistan entsandt, durch deren Territorien ein Angreifer passieren müsste, in der Hoffnung, sie davon abzuhalten eine Verbindung mit dem Feind einzugehen.

Die Bedrohung nahm nie Form an, denn Napoleon und Alexander waren bald aus dem Rennen. Als französische Truppen nach Russland strömten und ein brennendes Moskau einnahmen, war Indien zeitweise vergessen. Aber gerade war Napoleon in Europa unter schrecklichen Verlusten zurückgeschlagen worden, als eine neue Bedrohung für Indien aufkam. Dieses Mal waren es die Russen, die vor Selbstvertrauen und Motivation barsten, und dieses Mal sollte sie nicht einfach verschwinden. Als die schlachtbewährten russischen Truppen erneut begannen über den Kaukasus vorzustoßen, wuchsen die Ängste um die Sicherheit Indiens.

Nachdem sie die kaukasischen Stämme unschädlich gemacht hatten, wenn auch erst nach langem und erbittertem Widerstand, an dem sich eine handvoll Briten beteiligte, richteten die Russen ihren gierigen Blick nach Osten. Dort, in einer riesigen Wüsten- und Gebirgs-gegend im Norden Indiens, lagen die muslimischen Khanate von Khiva, Buchara und Kokand. Als der russische Vorstoß auf sie zu in Schwung kam, klingelten die Alarmglocken in London und Kalkutta immer lauter. Bald darauf sollte dieses politische Niemandsland zu einem riesigen Abenteuerspielplatz für engagierte junge Offiziere und Forscher beider Seiten werden, als sie die Pässe und Wüsten kartografierten, durch die Armeen würden marschieren müssen, sollte es in der Region zum Krieg kommen.

Bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts verschwand Zentralasien selten aus den Schlagzeilen, da die antiken Karawanenstädte und Khanate nach und nach in russische Hände fielen. Jede Woche schien Neuigkeiten hervorzubringen, dass die hartgesottenen Kosaken, die bei jedem Vorstoß an der Spitze waren, näher an Indiens schlecht bewachte Grenzen kamen. 1865 ergab sich die gut befestigte Stadt Taschkent dem Zaren. Drei Jahre später waren Samarkand und Buchara an der Reihe, und fünf Jahre darauf, im zweiten Zug, nahmen die Russen Khiva ein. Das Massaker, das die russischen Kanonen an denen verübten, die mutig und unklug genug waren sich zu wehren, waren schrecklich. „Aber in Asien ist es so,“ erklärte ein russischer General, „je fester du draufhaust, desto länger bleiben sie ruhig.“

Trotz wiederholter Versicherungen seitens St. Petersburgs, es habe keine feindlichen Absichten Indien betreffend, und das jeder Vorstoß sein letzter sei, sah alles sehr nach einem großen Plan aus, ganz Zentralasien unter die Knute des Zaren zu bringen. Und sei das erstmal vollbracht, fürchtete man, würde der finale Vorstoß auf Indien einsetzen – die größte aller imperialen Beuten. Denn es war kein Geheimnis, dass einige der fähigsten Generale des Zaren Pläne für solch eine Invasion ausgearbeitet hatten, und jeder Einzelne der russischen Armee schon in den Startlöchern saß. Als die Entfernung zwischen den beiden Grenzen immer kleiner wurde, verschärfte sich das Große Spiel. Trotz der Gefahren, hauptsächlich durch feindliche Stämme und Herrscher, gab es keinen Mangel an furchtlosen jungen Offizieren, die eifrig ihr Leben jenseits der Grenze riskieren, die Lücken auf der Karte füllen, über russische Bewegungen berichten und versuchen wollten, die Sympathie misstrauischer Khane zu gewinnen. Stoddart und Conolly waren, wie man sehen wird, auf jeden Fall nicht die einzigen, die nicht aus dem tückischen Norden wiederkehrten. Die meisten Spieler in diesem nebulösen Kampf waren Profis, indische Armee-Offiziere oder politische Agenten, geschickt von ihren Vorgesetzten in Kalkutta um Informationen jeder Art zu sammeln. Andere waren nicht minder fähige Amateure, oft Reisende mit unabhängigen Absichten, die sich entschieden das zu spielen, was einer der Minister des Zaren „Den Wettkampf der Schatten“ nannte. Einige gingen verkleidet, andere in kompletter Uniform.

Gewisse Gegenden schätzte man als zu gefährlich ein, oder politisch zu heikel für Europäer zu bereisen, selbst in Verkleidung. Und doch mussten diese Gegenden erforscht und kartiert werden, wollte man Indien verteidigen. Bald fand man eine schlaue Lösung. Außergewöhnlich kluge und begabte indische Bergbewohner, speziell ausgebildet in heimlichen Vermessungstechniken, wurden in der Verkleidung gottesfürchtiger Muslime oder buddhistischer Pilger über die Grenze geschickt. Auf diesem Weg, oft unter lebensgefährlichen Bedingungen, vermaßen sie Tausende Quadratmeilen vorher unerforschten Geländes mit bemerkenswerter Genauigkeit. Die Russen ihrerseits verwandten mongolische Buddhisten, um in Regionen einzudringen, die man für Europäer als zu gefährlich einstufte. Zu jener Zeit erschien die russische Bedrohung für Indien real genug, was Historiker im Nachhinein heute auch immer sagen mögen. Schließlich konnte jeder sich den Beweis auf der Karte angucken. Seit vier Jahrhunderten expandierte das russische Reich ständig mit einem Schnitt von 55 Quadratmeilen am Tag, oder etwa 20,000 Quadratmeilen im Jahr. Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts trennten das britische und das russische Weltreich in Asien mehr als 2,000 Meilen. Zum Ende waren sie auf ein paar Hundert geschrumpft, in Teilen des Pamirs auf weniger als zwanzig. Kein Wunder, dass viele befürchteten, die Kosaken würden ihre Pferde erst zügeln, wenn Indien ihnen gehörte.

Neben jenen, die beruflich in das Große Spiel involviert waren, wurde es in der Heimat von einer Vielzahl von Amateurstrategen an der Seitenauslinie verfolgt, die freimütig Ratschläge in einem Stapel von Büchern, Artikeln, leidenschaftlichen Rundschreiben und Briefen an die Zeitungen erteilten. Zum großen Teil waren diese Kommentatoren und Kritiker Russophobe mit streng militanten Ansichten. Sie argumentierten, der einzige Weg den russischen Vormarsch aufzuhalten, bestünde in „Angriffs-“ Taktiken. Das hieß ihnen zuvorzukommen, auch durch Invasion, oder durch Schaffung gefälliger Pufferstaaten, oder Satelliten, entlang der wahrscheinlichen Invasionswege. Ebenso zur taktischen Schule gehörten die fähigen jungen Offiziere der indischen Armee und der politischen Abteilung, die sich mit diesem aufregenden neuen Sport in den Wüsten und Pässen Zentralasiens beschäftigten. Er bot Abenteuer und Beförderung, und vielleicht sogar einen Platz in der imperialen Geschichte. Die Alternative bestand in der Langeweile des Regimentslebens in den schwülen Ebenen Indiens.

Aber nicht jeder war überzeugt davon, dass Russland die Absicht hegte, Indien dem britischen Griff zu entringen, oder das sie militärisch dazu in der Lage waren. Diese Gegner der Angriffstaktiken behaupteten, Indiens beste Verteidigung läge in seiner einzigartigen geografischen Lage – umgeben von sich auftürmenden Gebirgszügen, mächtigen Flüssen, wasserarmen Wüsten und kriegerischen Stämmen. Eine russische Streitmacht, die Indien erreichen würde, nachdem sie all diese Hindernisse überwunden hatte, beharrten sie, wäre bis dahin so geschwächt, dass sie kein Gegner für eine wartende britische Armee wäre. Es sei darum vernünftiger einen Eindringling zu zwingen, seine Kommunikationswege überzustrapazieren, als für die Briten ihre auszudehnen. Diese Politik – „Rückzugs-“ oder „meisterhaft passive“ Schule, wie man sie nannte – hatte den zusätzlichen Vorzug beträchtlich billiger zu sein als die rivalisierende „Vorwärts-„ Schule. Für jede sollte jedoch die Zeit kommen.

Wo immer möglich habe ich versucht, die Geschichte eher aus den Augen der Personen zu erzählen, die an dem großen imperialen Kampf teilnahmen, als durch geschichtliche Zwänge oder Geopolitik. Dieses Buch versucht nicht vorzugeben, eine Geschichte anglo-russischer Beziehungen während dieser Zeit zu sein. Mit denen haben sich Akademiker wie Anderson, Gleason, Ingram, Marriott und Yapp ausführlich beschäftigt, deren Arbeiten in meiner Bibliografie aufgelistet sind. Noch ist hier Platz in das komplexe und sich kontinuierlich entwickelnde Verhältnis zwischen London und Kalkutta einzugehen. Das ist ein eigenes Thema, das detailliert in zahlreichen Geschichten der Briten in Indien erforscht wurde, zuletzt von Sir Penderel Moon in seiner monumentalen 1,235 Seiten Studie des Raj, Die britische Eroberung und Beherrschung Indiens.

Da es zuallererst um Menschen geht, hat diese Geschichte eine riesige Besetzung. Sie umfasst mehr als einhundert Personen und umfasst mindestens drei Generationen. Es beginnt mit Henry Pottinger und Charles Christie im Jahr 1810 und endet mit Francis Younghusband fast ein Jahrhundert später. Mit den russischen Spielern, die mindestens genauso fähig waren wie ihre britischen Konkurrenten ebenso, angefangen mit dem furchtlosen Muraviev und dem nebulösen Vitkevich, und endend mit dem eindrucksvollen Gromchevsky und dem verschlagenen Badmayev. Mit einem ganz anderen Blick auf die Geschehnisse, haben sowjetische Forscher begonnen mehr Interesse (und kein bisschen Stolz) an den Heldentaten ihrer Spieler zu zeigen. Da sie keinen eigenen passenden Begriff dafür haben, beziehen sich einige auf den Kampf als dem Bolshaya Igra (dem Großen Spiel). Ich habe versucht, bei der Beschreibung der Taten beider, der Briten und der Russen, so neutral wie möglich zu bleiben, um den Handlungen der Menschen Platz zu lassen, für sich selbst zu sprechen, und Urteile dem Leser zu überlassen. Wenn uns die Erzählung eins erzählt, dann dass sich in den vergangenen hundert Jahren viel verändert hat. Der Sturm auf Botschaften durch aufgebrachte Mobs, die Ermordung von Diplomaten, und die Entsendung von Kriegsschiffen an den Persischen Golf – all das kannten unsere viktorianischen Ahnen nur zu gut. Tatsächlich sind unsere heutigen Schlagzeilen oft ununterscheidbar von denen vor einem Jahrhundert oder früher. Dennoch scheint man aus den schmerzvollen Lektionen der Vergangenheit wenig gelernt zu haben. Hätten sich die Russen im Dezember 1979 an Großbritanniens unglückliche Erfahrungen im Jahr 1842 erinnert, unter gar nicht unähnlichen Umständen, wären sie vielleicht nicht in die gleiche furchtbare Falle gegangen, wodurch sie ungefähr 15,000 junge russische Leben gerettet hätten, abgesehen von unermesslichen Zahlen unschuldiger afghanischer Opfer. Die Afghanen, befand Moskau zu spät, waren ein unbezwingbarer Gegner. Nicht nur hatten sie nichts von ihrer eindrucksvollen Kampfkunst eingebüßt, besonders wenn sie das Gelände selbst wählen konnten, sondern erfassten auch rasch die neusten Kriegstechniken. Die tödlichen, langläufigen Jezails, die einst derartiges Gemetzel unter den Rotröcken anrichteten, hatten als modernes Pendant die wärmesuchende Stinger, die sich als tödlich für russische Hubschrauber-Waffenburgen erwies.

Einige werden behaupten, dass das Große Spiel niemals wirklich beendet war, und dass es nur der Vorläufer des Kalten Krieges unserer Zeitrechnung gewesen sei, angeheizt durch dieselben Ängste, Verdächtigungen und Missverständnisse. Männer wie Conolly und Stoddart, Pottinger und Younghusband würde es wohl nicht schwerfallen, den Kampf im einundzwanzigsten Jahrhundert als wesentlich denselben wie ihren zu erkennen, obgleich zu unermesslich höheren Einsätzen. Wie der Kalte Krieg hatte das Große Spiel seine Phasen des Waffenstillstands, auch wenn sie nie lange andauerten, was uns über die Beständigkeit unserer verbesserten Beziehungen nachdenklich macht. Mehr als achtzig Jahre, nachdem es offiziell mit der Ratifizierung des Anglo-Russischen Abkommens 1907 beendet war, ist das Große Spiel immer noch unheimlich aktuell. Aber bevor wir uns in die schneebedeckten Pässe und die trügerischen Wüsten nach Zentralasien aufmachen, wo diese Erzählung stattfand, müssen wir zunächst sieben Jahrhunderte in der russischen Geschichte zurückgehen. Denn zu diesem Zeitpunkt fand ein katastrophales Ereignis statt, das einen unauslöschbaren Abdruck in der russischen Seele hinterließ. Es trug den Russen nicht nur eine ständige Angst vor Einkesselung ein, egal ob von nomadischen Horden oder nuklearen Raketenstellungen, sondern löste auch ihren unbarmherzigen Zug gen Osten und Süden nach Asien hinein aus, und schließlich den Kollisionskurs mit den Briten in Indien.